KUNST schafft RAUM schafft KUNST – Eine Zeitreise durch den Halfmannshof
| Ich habe mit Gabi Tautorat über ihr aktuelles Kunstprojekt zum Halfmannshof gesprochen – rund 25 Minuten voller überraschender Einblicke in die Vergangenheit der Künstlersiedlung und ihre möglichen Zukünfte. Im Herbst soll daraus eine Graphic Novel entstehen. Wer nicht so gerne zuhört, kann auch etwas darüber lesen – oder eben beides! Viel Spaß dabei! |
Der Halfmannshof ist nicht irgendein Wohnort. Er gilt als die älteste Künstlersiedlung Nordrhein-Westfalens. Gegründet im Jahr 1931, blickt er auf eine bewegte Geschichte zurück, geprägt von künstlerischen Visionen, politischen Umbrüchen und strukturellen Veränderungen.
Heute zeigt sich das Gelände zweigeteilt. Ein Teil besteht aus modernisiertem, freifinanziertem Wohnraum, in dem vor allem Familien leben. Der andere Teil ist weiterhin von Künstlerinnen und Künstlern geprägt – einige seit Jahrzehnten, andere erst seit wenigen Jahren vor Ort.

Diese Mischung macht den Halfmannshof zu einem spannungsvollen Ort zwischen Tradition und Gegenwart.
Kunst lebt hier – damals wie heute
Trotz struktureller Veränderungen ist der Halfmannshof nach wie vor ein Ort kreativer Produktion. Hier arbeiten unter anderem bildende Künstler*innen, eine Bühnen- und Kostümbildnerin, eine Buchbinderin sowie junge Filmschaffende.
Einige Namen sind eng mit der Geschichte des Ortes verbunden, wie etwa die Buchbinderei Klein oder der Bildhauer Heiner Szamida, die bereits seit den 1970er bzw. 1980er Jahren hier leben und arbeiten.
Das Projekt: „KUNST schafft RAUM schafft KUNST“
Mit genau dieser Geschichte setzt sich die Künstlerin Gabi Tautorat auseinander. Ihr Projekt trägt den programmatischen Titel:
„KUNST schafft RAUM schafft KUNST – Die Künstlersiedlung Halfmannshof: Eine architektonische Spurensuche“
Im Zentrum steht eine grundlegende Frage: Entsteht Kunst durch den Raum – oder entsteht der Raum durch die Kunst?
Spurensuche zwischen Architektur und Erinnerung
Gabi Tautorat nähert sich dem Halfmannshof nicht nur als Künstlerin, sondern auch mit dem Blick ihrer früheren Tätigkeit als Architektin. Ihr Interesse gilt vor allem der baulichen Entwicklung des Areals – also der Frage, wie sich der Ort über Jahrzehnte verändert hat.
Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist eine intensive Recherche. Archivmaterialien, alte Luftbilder, Zeitungsartikel und persönliche Sammlungen, insbesondere das umfangreiche Archiv der langjährigen Bewohnerin Regina Klein, bilden die Grundlage.
Allerdings ist die Geschichte des Halfmannshofs auch lückenhaft. Manche Gebäude sind gut dokumentiert, andere bleiben fragmentarisch. Genau hier beginnt der künstlerische Ansatz.
Zwischen Fakt und Fiktion
Das geplante Ergebnis ist keine klassische Dokumentation, sondern eine doku-fiktionale Graphic Novel. Fakten, Rekonstruktionen und künstlerische Interpretation greifen ineinander. Dort, wo Informationen fehlen, entstehen plausible Annäherungen, visuell umgesetzt in Zeichnungen, Karten und architektonischen Darstellungen.

Statt Fotografien setzt Gabi Tautorat bewusst auf Zeichnungen. Diese verleihen dem Projekt eine eigene Bildsprache und ermöglichen es, Vergangenheit und Vorstellungskraft miteinander zu verbinden.
Der Raum als Denk- und Arbeitsfläche
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist ein Arbeitsraum direkt auf dem Halfmannshof. Hier hat die Künstlerin ihre Recherche physisch sichtbar gemacht: Wände voller Ausdrucke, Zeitachsen, Skizzen und Notizen.

Dieser Raum ist mehr als nur Atelier, er ist ein Denkraum. Ein Ort, an dem sich Geschichte visuell entfaltet und Zusammenhänge Schritt für Schritt sichtbar werden.
Struktur und Gestaltung des Buches
Das entstehende Buch ist in mehrere Kapitel gegliedert, die jeweils durch ein eigenes Farbsystem gekennzeichnet sind. Gedämpfte Farbtöne bilden dabei eine visuelle Klammer und strukturieren die komplexe Geschichte.

Inhaltlich spannt das Projekt einen Bogen von den Anfängen der Künstlersiedlung bis in die Gegenwart und wagt sogar einen Blick in die Zukunft. Denkbare Szenarien fließen als spekulative Elemente in die Arbeit ein.
Eine Geschichte voller Details
Bei der Recherche stößt Gabi Tautorat immer wieder auf kleine, fast beiläufige Geschichten, die den Halfmannshof lebendig machen.
So etwa ein Mädchenkopf aus Stein, der seit den 1930er-Jahren immer wieder seinen Standort wechselte, Diskussionen auslöste und tatsächlich heute noch existiert. Solche Details verweben sich mit der großen Geschichte des Ortes und verleihen ihr eine persönliche Ebene.
Mehr als Nostalgie
Das Projekt versteht sich nicht als nostalgischer Rückblick. Vielmehr geht es darum, die Entwicklung des Halfmannshofs in ihrer ganzen Komplexität sichtbar zu machen. Mit all ihren Höhen und Tiefen.

Gerade weil der Ort heute nicht mehr ausschließlich eine Künstlersiedlung ist, stellt sich die Frage nach Identität und Zukunft umso dringlicher.
Ausblick
Die Fertigstellung des Buches ist für den Sommer geplant, die Veröffentlichung wird voraussichtlich im Herbst erfolgen. Begleitend dazu sollen Einblicke in den Arbeitsprozess und das Material im Rahmen eines Atelierfests zugänglich gemacht werden. Und ihr könnt euch schon für KOMMSE ÜCKEN?! im Dezember vormerken, dass ihr bei Lukas Hermann im Projektraum igendDorf das komplette Werk in seiner Gänze erleben könnt!
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt! Das, was ich als Vorschau erkunden durfte, macht neugierig auf mehr!
Wenn ihr wissen möchtet, was Gabi sonst noch so macht, dann schaut mal auf ihrer >>>Website vorbei.

