Kunst, die nicht wegschaut

Wie Gelsenkirchener Künstler*innen und Geflüchtete gemeinsam malen

Zwei großformatige Gemälde stehen seit Mitte März mitten in Gelsenkirchen – entstanden nicht hinter verschlossenen Ateliertüren, sondern im offenen Dialog. Sie zeigen ein Kind. Und sie stellen Fragen, die uns alle angehen.

Infobanner

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus hat die TaskForce Flüchtlingshilfe Gelsenkirchen eine ungewöhnliche Ausstellung ins Leben gerufen. Zu sehen sind zwei großformatige Public Paintings – Werke, die nicht im stillen Kämmerlein entstanden, sondern in einem öffentlichen künstlerischen Prozess, an dem auch Menschen mit eigener Fluchterfahrung mitgewirkt haben.

Das Ergebnis ist keine klassische Ausstellung mit Rahmen und weißen Wänden. Es ist öffentliche Autorenschaft: verschiedene Erfahrungen, Perspektiven und Stimmen, sichtbar gemacht auf Leinwänden, die teilweise über zweieinhalb Meter breit sind.

Ein Kind als Symbol

Im Zentrum beider Bilder steht eine Figur: ein Kind. Konkret: der fünfjährige Liam Conejo Ramos aus Minnesota, der im Januar 2026 auf dem Heimweg von der Schule von US-Einwanderungsbeamten festgenommen wurde. Das Bild, das davon um die Welt ging, löste internationale Empörung aus – und wurde zum Symbol für die Verletzlichkeit von Kindern in Zeiten von Flucht und Migration.

Die Gelsenkirchener Arbeiten greifen dieses Motiv nicht illustrativ auf, sondern verdichten es: Das Kind erscheint als zentrale Figur zwischen Schutz, Macht und Hoffnung. Ein ikonisches Bild, das über den Einzelfall hinausweist.

Wasser als gemeinsames Element

Ein Motiv zieht sich durch beide Werke: Wasser. Alle Figuren stehen darin. Es steht für Übergänge, für Unsicherheit – aber auch für etwas Verbindendes. Denn die großen Herausforderungen unserer Zeit, so die Botschaft der Bilder, betreffen letztlich alle Menschen: Flucht, Klimawandel, soziale Spaltung.

Gemälde im Wissenschaftspark
Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Wissenschaftsparks zu sehen

Die Fragen, die die Bilder stellen, sind keine abstrakten: Wie werden Kinderrechte geschützt? Welche Rolle spielt Rassismus in globalen Krisen? Wie können wir gesellschaftlich zusammenhalten, wenn die Herausforderungen uns alle betreffen?

Einladung zum Dialog

Die Ausstellung versteht sich ausdrücklich als Einladung – besonders für Kinder, Schulklassen und pädagogische Einrichtungen. Wer also auf der Suche nach einem Gesprächsanlass ist, der tiefer geht als ein Arbeitsblatt: Hier ist er.

Die TaskForce Flüchtlingshilfe Gelsenkirchen setzt sich seit Jahren für Integration und Begegnung ein. Mit dieser Ausstellung verbindet sie künstlerischen Ausdruck, gesellschaftliche Verantwortung und Menschenrechtsbildung zu etwas, das in der Öffentlichkeit stattfindet – und auch dort hingehört.

Ausstellungsinfo
Laufzeit: 16. März – 26. März 2026 (mittags)
Ort: Wissenschaftspark Gelsenkirchen (öffentlich zugänglich)
Veranstalter: TaskForce Flüchtlingshilfe Gelsenkirchen
Eintritt: Frei