Der doppelte Reinhold: Grasreiner-Preis für Reinhold Adam

Erinnerung bewahren, um Zukunft zu gestalten – dieser Gedanke ist in Gelsenkirchen mehr als nur ein Leitmotiv. Meine eigenen Bemühungen dahingehend stecken noch in den Kinderschuhen, wenn ich Richtung Reinhold Adam schaue. Umso mehr freue ich mich, dass er jetzt für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde!

Beim Geschichtsforum Horst mit Reinhold Adam

In einer Stadt, die den Strukturwandel nach dem Ende des Bergbaus bis heute aktiv verarbeitet, lebt Geschichte durch Menschen weiter, die sie engagiert sichtbar machen. Reinhold Adam ist einer von ihnen. Für sein jahrzehntelanges Wirken wurde er mit dem erstmals verliehenen Reinhold-Grasreiner-Preis des Heimatbund Gelsenkirchen geehrt. An dieser Stelle nochmal meine allerherzlichsten Glückwünsche, Reinhold!

Der 79-jährige Horster, „geboren und aufgewachsen im Schatten der Zeche Nordstern“, wie Bezirksbürgermeister Joachim Gill in seiner Laudatio betonte, verkörpert das klassische Bild eines „Kumpels“ im besten Sinne. Nach seiner Ausbildung arbeitete er sich bis zum Aufsichtshauer und Betriebsratsvorsitzenden hoch. Doch sein Engagement ging weit über den Beruf hinaus.

Reinhold Adam und Bezirksbürgermeister Joachim Gill
Reinhold Adam und Bezirksbürgermeister Joachim Gill

Ein Lebenswerk für die Erinnerungskultur

Besonders prägend ist sein Einsatz für das Geschichtsforum Nordsternpark. Mit Führungen, Lesungen und Gedenkveranstaltungen hat sich dort ein lebendiger „Marktplatz der Geschichte“ entwickelt – eingebettet in den Nordsternpark, der selbst als Symbol für gelungenen Strukturwandel steht. Vor einigen Wochen durfte ich hier meinen Gelsenkirchener-Barock-Film vorstellen und habe mich über die herzliche Aufnahme und die anschließende historische Dia-Show über Horst sehr gefreut.

Preisverleihung mit Symbolkraft

Die Verleihung fand im Kulturraum „die flora“ statt, einem Ort, der selbst für kulturelle Kontinuität steht. Der Vorsitzende des Heimatbundes, Volker Bruckmann, hob die besondere Atmosphäre hervor. Auch Oberbürgermeisterin Andrea Henze war persönlich anwesend. Mit Blick auf das bevorstehende 100-jährige Jubiläum des Heimatbundes unterstrich sie die Bedeutung des Leitsatzes Wissen. Bewahren. Vermitteln. – ein Anspruch, der sich auch im Namensgeber des Preises widerspiegelt.

Volker Bruckmann, Reinhold Adam und Oberbürgermeistern Andrea Henze
Volker Bruckmann, Reinhold Adam und Oberbürgermeistern Andrea Henze

Reinhold Grasreiner: Namensgeber mit Wirkung bis heute

Reinhold Grasreiner, Mitbegründer des Heimatbundes im Jahr 1927, hat die lokale Geschichtsschreibung nachhaltig geprägt. Der Lehrer, der 1935 verstarb, vermittelte sein Wissen über Jahre hinweg in zahlreichen Zeitungen, immer verständlich, sachlich und nah an den Menschen.

Gemeinsam mit Alexander Pentek erinnerte Bruckmann daran, wie Grasreiner Geschichte zugänglich machte: unideologisch, offen und stets getragen von einer spürbaren Leidenschaft für seine Themen. Noch heute veröffentlicht der Heimatbund in seiner Emscher-Zeitung Texte des Gründungsvaters. Für viele gilt: Wer sich mit der Geschichte Gelsenkirchens beschäftigt, kommt an Grasreiner nicht vorbei.

Ein Preis mit Zukunft

Der Reinhold-Grasreiner-Preis soll künftig jährlich vergeben werden. Ausgezeichnet werden Menschen, die sich in besonderer Weise um die Geschichte der Stadt oder den Denkmal-, Landschafts- und Naturschutz verdient machen.

Parallel dazu baut der Heimatbund seine „Historische Sammlung“ weiter aus. Gesucht werden Bücher, Schriften, Festschriften von Firmen und Vereinen sowie Bildbände, Kataloge und alte Prospekte mit Bezug zu Gelsenkirchen. Auch private Fotos und Filme sind von großem Interesse, insbesondere, wenn sie im Zuge von Umzügen oder Haushaltsauflösungen sonst verloren gingen.

Der Appell ist klar: Geschichte beginnt im Kleinen. Und sie bleibt nur lebendig, wenn sie weitergegeben wird, von echten „Kumpeln“ wie Reinhold Adam. Und an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an Jochen Kappler für die Fotos!