Mädchenzentrum Gelsenkirchen: Rückblick, Ausblick & ein Jubiläum

Ihr kennt doch bestimmt das Mädchenzentrum Gelsenkirchen, oder? Seit 1988 gibt es diese Beratungsstelle, die Mädchen* und junge Frauen* in Krisensituationen begleitet. Auch Angehörige, Freund*innen und Fachkräfte finden hier Unterstützung.

Die tägliche Arbeit stärkt Mädchen und junge Frauen*, macht ihre Stimmen hörbar und schafft Räume, in denen sie sich sicher fühlen, wachsen können und ernst genommen werden. Diese Arbeit wäre ohne die Unterstützung vieler Menschen nicht möglich. Sie steht für Teilhabe, Gleichberechtigung, Sichtbarkeit und echte Veränderung.


Seit 1988 parteilich für Mädchen* und junge Frauen*

Das Mädchenzentrum Gelsenkirchen arbeitet seit 1988 parteilich für Mädchen* und junge Frauen*. Ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Perspektiven stehen im Mittelpunkt aller Angebote. Besonders wichtig ist dabei der inklusive Ansatz: Mädchen* und junge Frauen* sollen in ihrer ganzen Vielfalt erreicht und gestärkt werden.

Das Mobile Mädchenzentrum geht direkt in den Sozialraum und an Schulen. So werden gezielt Mädchen* erreicht, die sonst keinen Zugang zu solchen Angeboten hätten.

Im Projekt MädchenRaum entstehen niedrigschwellige Angebote zur Gewaltprävention, zur sexuellen Bildung und zur Stärkung von Mädchen*. Ziel ist es, möglichst alle Mädchen* in Gelsenkirchen anzusprechen.

Ein besonderer Ort ist die MädchenMusikAkademie NRW. Sie bietet einen geschützten Raum für popmusikalisches Empowerment – vom ersten Ausprobieren bis hin zu professionellen Perspektiven. Das Projekt ist deutschlandweit einzigartig.


Arbeit unter schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen

Die Arbeit des Mädchenzentrums Gelsenkirchen findet unter herausfordernden Bedingungen statt. Armut ist in Gelsenkirchen weiterhin ein zentrales Thema. Hinzu kommen steigende Zahlen bei Depressionen und Essstörungen sowie zunehmende Gewalt gegen Mädchen* und Frauen*. Auch politische Entwicklungen – lokal wie bundesweit – bereiten Sorgen, da sie feministische Arbeit und Lebensrealitäten bedrohen.

Diese Situation zeigt deutlich, wie wichtig Schutzräume, Beratung, Prävention und eine klare politische Haltung sind.


Ein Jahr voller starker Momente und Stimmen

Trotz aller Herausforderungen war das vergangene Jahr geprägt von vielen bewegenden Momenten, kreativen Prozessen und sichtbarer Teilhabe.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt war das Jahresthema „Mädchen* träumen von Gelsenkirchen“. In drei Ferienprogrammen setzten die Teilnehmerinnen* sich intensiv mit ihrer Stadt auseinander. Sie sprachen über ihren Alltag, formulierten Wünsche und entwickelten Visionen für ein Gelsenkirchen, in dem sie sich sicher, gesehen und willkommen fühlen.

Diese Perspektiven fanden Ausdruck in künstlerischen, musikalischen und kreativen Formaten sowie im Austausch mit der Stadterneuerung der Stadt Gelsenkirchen.

Ein besonderes Highlight war die Internationale MädchenMusikAkademie. Mädchen* und junge Frauen* aus NRW, Schweden und den Niederlanden kamen zusammen. Musik wurde hier zum verbindenden Element für Austausch, Empowerment und internationale Solidarität. Die Workshops wurden in Zusammenarbeit mit Kristin Langer und dem niederländischen Partner „Book of Premonitions“ realisiert. Zu Anfang der Akademie durfte ich die Teilnehmerinnen* durch das Kreativ.Quartier Ückendorf führen und verschiedene Stationen näher bringen, die später mit den Programmpunkten verknüpft waren, wie z. B. Workshopräume oder interessante Spots für Videodrehs und gemeinsamen Austausch.

Die zweite Internationale MädchenMusikAkademie | Foto: Mädchenzentrum Gelsenkirchen

Weitere Höhepunkte waren der Welt-Aids-Tag auf Schalke gemeinsam mit dem AK-Aufgeklärt sowie die MiR.LAB BaRockoper, bei der gemeinsam mit Künstlerin Gordana Djukic Planeten für das Bühnenbild gestaltet wurden.

Das zweijährige Kunstprojekt „Bedarfsgemeinschaft“ fand in diesem Jahr seinen Abschluss. Die Wandmalerei in Schalke, gestaltet von Mädchen* und jungen Frauen* gemeinsam mit Fatma Özay, bleibt als sichtbares Zeichen von Teilhabe und Hoffnung bestehen.

Auch der HipHop-Workshop mit dem Quartiersladen Schalke zeigte, wie kulturelle Teilhabe Selbstwirksamkeit fördern kann. Dabei entstand ein eigener Song über eine faire Welt.

Zum ersten Mal übernahm das Mädchenzentrum Gelsenkirchen außerdem federführend das Projekt „StadtklänGE“. Gemeinsam mit Trägern aus ganz Gelsenkirchen wurden Musikprojekte für Mädchen* direkt in ihren Einrichtungen umgesetzt.

Musikalisch besonders präsent waren außerdem die Auftritte der MädchenMusikAkademie beim Empfang der Oberbürgermeisterin zum Internationalen Frauentag sowie die Veröffentlichung eigener Songs zum Internationalen Frauen- und Mädchentag.
Die Songs „Wozu du mich machst“ und „Nicht nur bisschen Noise“ vom Müde Augen-Kollektiv machten die bearbeiteten Themen deutlich hörbar – politisch, klar und selbstbestimmt.

Auch gesellschaftliche und politische Entwicklungen wurden öffentlich thematisiert, unter anderem bei der Kulturkonferenz Ruhr sowie bei Soundcheck Revier des PopBoard NRW. Dabei ging es um rechte Gewalt, antidemokratische Tendenzen, aber auch um Solidarität und Perspektiven für eine geschlechtergerechte und inklusive Poplandschaft.


Blick nach vorne

Die MädchenMusikAkademie NRW feiert ihr 20-jähriges Bestehen – zwei Jahrzehnte Empowerment, Safer Spaces und musikalische Teilhabe für Mädchen* und junge Frauen*.

Außerdem wird das Mädchenzentrum Gelsenkirchen im März im Namen der BAG Autonome Mädchenhäuser das bundesweite Mädchenhäusertreffen ausrichten. Rund 200 Frauen* kommen dafür nach Gelsenkirchen – ein starkes Zeichen für Solidarität und Sichtbarkeit feministischer Mädchenarbeit in der Stadt.