Ein Tee für Gelsenkirchen – Warm-up für die IGA 27

Zwar eröffnet die IGA 27 offiziell erst im Frühjahr nächsten Jahres, doch schon jetzt sorgt ein Vorprogramm für Begegnungen und kreative Experimente. Eines davon führte an einem der vergangenen Samstage 16 Interessierte ins HIER IST NICHT DA nach Ückendorf. Bei einem Tee-Workshop ging es um nichts Geringeres als die Frage: Wie schmeckt eigentlich Gelsenkirchen? Da wollte ich natürlich mitmischen 😉

Gemeinsam wurde probiert, gerochen und diskutiert – mit dem Ziel, eine ganz eigene Kräuter-Teemischung für die Stadt zu entwickeln. Sieben heimische Kräuter und Blüten standen zur Auswahl, sorgfältig aufgebrüht und in geselliger Runde verkostet.

Von der Idee zur Mischung

Das Konzept ist erprobt: Was im Rahmen des Programms „1 Quadratmeter IGA“ bereits erfolgreich in Duisburg umgesetzt wurde, findet nun auch in Gelsenkirchen seinen Anfang. Die verwendeten Kräuter und Blüten wurden zuvor in einem Projekt mit Schülerinnen und Schülern erkundet, bestimmt und mithilfe einer App dokumentiert. So flossen nicht nur sensorische Eindrücke, sondern auch digitales Wissen und junge Perspektiven in die spätere Teemischung ein.

Ein bunter Strauß an Menschen – und Aromen

Schon die Vorstellungsrunde zeigte, wie vielfältig die Motivation der Teilnehmenden war: lokales Engagement, Naturverbundenheit, Neugier oder der Wunsch nach Austausch und Vernetzung. Diese Vielfalt spiegelte sich auch in den Aromen wider – von zart blumig bis würzig-kräftig.

Angeleitet durch Karl Michael Lange und Anke Leitzgen (tinkerbrain.de) waren dann die olfaktorischen und gustatorischen Sinne der Teilnehmenden gefragt, um Spitzwegerich, Gänseblümchen, Brennnessel, Löwenzahn, Rotklee, Lavendel und Brombeerblätter zu beurteilen. Bis zu sechs Bewertungspunkte standen pro Geschmackserlebnis zur Verfügung, mit dabei die Kategorien erdig, kräutrig, blumig, bitter, süß, salzig oder umami. Am meisten haben mich die Gänseblümchen überrascht: die getrockneten Blüten rochen für mich fast schon widerlich, aufgebrüht waren sie relativ neutral und unaufdringlich.

Kurz erklärt: Was ist die IGA 27?

Die Internationale Gartenausstellung 2027 ist eines der größten Zukunftsprojekte im Ruhrgebiet. Über mehrere Städte hinweg zeigt sie, wie grüne Infrastruktur, Stadtentwicklung, Klimaanpassung und soziale Begegnung zusammenspielen können. Neben großen Ausstellungsflächen lebt die IGA vor allem von Beteiligungsformaten wie diesem Workshop – klein, lokal verankert und mit viel Raum für Mitgestaltung.

Insgesamt arbeiten über 50 Städte und Kommunen des Ruhrgebiets zusammen, um Projekte, Parks, Grünflächen und Initiativen in das IGA-Geschehen einzubinden. Viele kleinere Städte wie Hagen, Hattingen, Wetter, Witten und sogar Essen bringen „Unsere Gärten“-Projekte oder lokale Aktionen in die IGA-Struktur ein. Besonders im Fokus stehen fünf sogenannte „Zukunftsgärten“, die als zentrale Schauplätze der IGA dienen und die Zukunftsthemen erlebbar machen:

  • Gelsenkirchen – z. B. Nordsternpark und weitere IGA-Projekte vor Ort.
  • Duisburg – Zukunftsgarten im RheinPark Hochfeld.
  • Dortmund – z. B. am ehemaligen Kokerei Hansa-Gelände.
  • Castrop-Rauxel / Recklinghausen – gemeinsame Zukunftsgarten-Initiativen.
  • Bergkamen / Lünen – Zukunftsgarten-Standort in der nördlichen Ruhrregion.

Die Mischung macht’s!

Zurück im Tee-Workshop nahm das Experiment langsam Gestalt an. Nachdem alle potenziellen Kräuter und Blüten ausgiebig probiert und erschnuppert worden waren, folgte der analytische Teil. Die vergebenen Punkte für Geschmack und Aroma, speiste Workshop-Leiter Karl in ein eigens entwickeltes Programm ein. Das Ergebnis: eine präzise Grammangabe für jede einzelne Zutat – die Grundlage für die erste Version der Mischung Gelsenkirchen 1.

Diese wurde direkt aufgebrüht, durfte kurz ziehen und wurde erneut gemeinsam verkostet. Schnell zeigte sich, wo noch Feinschliff nötig war. Mit kleinen Anpassungen bei den Anteilen von Lavendel und Gänseblümchen entstand schließlich die Mischung Gelsenkirchen 2. Einhelliges Urteil der Runde: perfekt abgestimmt. Abgerundet wurde das Ergebnis durch die Empfehlung einer etwas längeren Ziehzeit – für ein rundes, volles Geschmackserlebnis. Ich würde kräutrig und mild sagen.

Und jetzt natürlich die entscheidende Frage: Wo könnt ihr den Tee probieren?

Ein Stück IGA mitten in Gelsenkirchen

Mit dem Pop-Up-IGA-Store kommt die Internationale Gartenausstellung 2027 mitten in die Stadt. Ab dem 27. Februar lädt der temporäre Ort in der Bahnhofstraße 69 zum Vorbeischauen, Mitmachen und Austauschen ein. Geplant sind Workshops, Verkostungen, Gespräche und Mitmachformate rund um Stadtgrün, Nachhaltigkeit und die IGA 27.

Hier könnt ihr unter anderem den Gelsenkirchen-Tee verkosten, mehr über seine Entstehung erfahren und euch über aktuelle IGA-Projekte informieren. Der Store versteht sich als offener Treffpunkt – sowohl für Neugierige als auch für Initiativen und Schulen, die eigene Ideen einbringen möchten. So wird dieser Leerstand auch wieder belebt, nachdem hier schon Kreativmärkte und zuletzt das H2-Pop-Up-Lab gastiert haben.

Also vormerken:
Eröffnung: 27. Februar 2026
Laufzeit: ca. vier Monate (bis Juni 2026)
Ort: Bahnhofstr. 69, 45879 Gelsenkirchen (ehemals Colosseum)

Mitmachen ausdrücklich erwünscht!

Bis zur Eröffnung der IGA im April 2027 heißt es nicht nur abwarten und Tee trinken – ganz im Gegenteil: Wer Lust hat, kann sich schon jetzt aktiv einbringen. Auf der Plattform „Mein Garten“ der IGA Metropole Ruhr 2027 lassen sich Projekte entdecken, Mitstreiter*innen finden oder eigene Ideen sichtbar machen.

Dort könnt ihr euch zum Beispiel an Aktionen wie der „Offenen Gartenpforte Ruhrgebiet 2026“ beteiligen oder einfach stöbern, was in eurer Nachbarschaft rund um Grün, Stadt und Gemeinschaft entsteht. Reinschauen lohnt sich!