Kunst und Arbeitskampf: Radikale Hoffnung im Kunstmuseum

Wenn Widerstand zur Bildsprache wird

Vom 13. Juni bis zum 4. Oktober 2026 widmet sich die Ausstellung „Radikale Hoffnung“ im Kunstmuseum Gelsenkirchen einem Thema, das aktueller kaum sein könnte: dem Kampf um Würde, Gerechtigkeit und Sichtbarkeit in der Arbeitswelt, und der Rolle, die Kunst dabei spielt. Die Eröffnung dazu findet am 12. Juni um 19 Uhr statt.

Die Ausstellung spannt einen Bogen vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie zeigt, wie Künstlerinnen und Künstler soziale Konflikte nicht nur dokumentieren, sondern selbst Teil politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen werden. Im Mittelpunkt stehen Streiks, Proteste und kollektive Bewegungen, ebenso wie die Frage, wie Hoffnung in Zeiten von Ungleichheit überhaupt möglich bleibt.

Kunst als Spiegel sozialer Kämpfe

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts reagieren Künstlerinnen und Künstler auf prekäre Lebens- und Arbeitsbedingungen. Besonders eindringlich zeigen das die Werke von Käthe Kollwitz, die Armut, Ausbeutung und gesellschaftliche Härten sichtbar machte wie kaum eine andere. Ihre Arbeiten stehen exemplarisch für eine Kunst, die Partei ergreift.

Doch die Ausstellung bleibt nicht in der Vergangenheit stehen. Ab den 1960er Jahren verändern sich nicht nur die Motive, sondern auch die Rolle der Kunstschaffenden selbst. Künstlerinnen und Künstler beginnen, die Bedingungen ihrer eigenen Arbeit zu hinterfragen. Sie streiken, verweigern Produktion oder organisieren kollektive Aktionen. Kunst wird zum politischen Werkzeug – und der Arbeitskampf Teil der künstlerischen Praxis.

Positionen von Jeremy Deller, Gustav Metzger oder Claire Fontaine zeigen, wie eng Kunst und gesellschaftlicher Widerstand miteinander verbunden sein können.

Das Ruhrgebiet als Ort der Solidarität

Dass diese Ausstellung im Ruhrgebiet stattfindet, ist kein Zufall. Die Region ist geprägt von industrieller Arbeit, Migration und jahrzehntelangen Arbeitskämpfen in Bergbau und Stahlindustrie. Gerade Gelsenkirchen steht dabei symbolisch für eine Geschichte kollektiver Solidarität.

Besonders bemerkenswert ist der Bezug auf feministische Arbeitskämpfe: Anfang der 1980er Jahre erstritten Arbeiterinnen in Gelsenkirchen Lohngleichheit – ein historischer Erfolg, der bis heute nachwirkt. Die Ausstellung erinnert damit nicht nur an große industrielle Streiks, sondern auch an oft übersehene Kämpfe von Frauen um Anerkennung und gleiche Rechte.

Hoffnung als Haltung

Der Ausstellungstitel verweist auf das Buch Radical Hope des Philosophen Jonathan Lear. Darin beschreibt Lear Hoffnung nicht als naiven Optimismus, sondern als Haltung in Zeiten tiefgreifender Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche.

Genau diese Form der „radikalen Hoffnung“ verbindet die in der Ausstellung vertretenen Künstlerinnen und Künstler mit Streikenden und Protestbewegungen weltweit. Es geht nicht um einfache Lösungen, sondern um die Beharrlichkeit, trotz Unsicherheit weiter für Veränderung einzutreten.

Internationale Positionen zwischen Protest und Poesie

Mit Arbeiten von Juan Pérez Agirregoikoa, Milli Gandini, Nicolás Guagnini, Lee Lozano, Anna Malagrida & Mathieu Pernot, Irène Mélix, Małgorzata Mirga-Tas, Jean-Luc Moulène, Mariuccia Secol, Selma Selman, Takis und Nicole Wermers versammelt die Ausstellung eine Vielzahl internationaler Perspektiven auf Arbeit, Macht und Widerstand.

Dabei entstehen keine rein dokumentarischen Bilder. Viele Werke arbeiten mit Symbolen, Gesten oder performativen Elementen. Sie zeigen Protest nicht nur als politischen Akt, sondern auch als kulturelle Praxis – als gemeinschaftliche Erfahrung, die Identität stiftet und neue Formen des Zusammenhalts ermöglicht.

Kunst, die Fragen stellt

„Radikale Hoffnung: Kunst und Arbeitskampf“ ist keine nostalgische Rückschau auf vergangene Streiks. Die Ausstellung stellt Fragen, die bis heute relevant sind:

  • Wer wird für seine Arbeit sichtbar gemacht – und wer nicht?
  • Welche Bilder entstehen aus sozialem Widerstand?
  • Wie verändern Arbeitskämpfe unsere Gesellschaft?
  • Und welche Rolle kann Kunst dabei spielen?

Gerade in Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit, prekärer Beschäftigung und globaler Krisen entfaltet die Ausstellung eine bemerkenswerte Aktualität.

Öffentliche Führung

Eine öffentliche Führung findet am 14. Juni 2026 um 15 Uhr statt. Weitere Termine des Rahmenprogramms sind auf der >>>Website der Ausstellung abrufbar.