Körperfunkkollektiv
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Szeniale 2026

Worauf wollen wir noch warten?

Am 25. September lädt die Szeniale – das Festival der freien Künste – zum vierten Mal nach Gelsenkirchen-Ückendorf ein, und startet dort, wo sie schon einmal begonnen hat: im Kirchenschiff an der Bochumer Straße 115, direkt am Frankeplatz.

Ab 18:30 Uhr gibt es am Freitagabend einen Blick auf das Leitmotiv „Worauf wollen wir noch warten?“ sowie einen Vorgeschmack auf das Programm des folgenden Tages. Aber, kein Auftakt ohne Festakt!

Der Körper als Archiv

Im Mittelpunkt des Eröffnungsprogramms steht das Solo-Tanztheaterstück We Who Do Not Belong von und mit SoKo Jena. Es geht um Zugehörigkeit – emotional, politisch, spirituell – in einer Welt, die von Vertreibung, Grenzen und sich wandelnden Identitäten geprägt ist. Die Frage, die das Stück stellt, trifft mitten ins Festivalthema: Was macht ein Körper in Bewegung, wenn er nicht mehr warten kann – auf Sicherheit, auf Anerkennung, auf einen Ort, an dem er frei existieren kann?

SoKo Jena schöpft dafür aus dem eigenen simbabwischen Erbe. Traditionelle Bewegungen, rituelle Praktiken, Atmung und Stimme verweben sich mit zeitgenössischem Tanz und visuellen Projektionen zu einem Raum, in dem persönliche und kollektive Geschichten aufeinandertreffen. Die Künstlerin selbst bringt es so auf den Punkt: „Ich benutze meinen Körper als Archiv. Er trägt das Gewicht der Migration, die Narben rassistischer Gewalt und die stille Widerstandskraft derer, die weiterhin nach einem Ort suchen, an den sie gehören.“

Migration, Rassismus, Identitätspolitik, die Verletzlichkeit von Körpern in Systemen der Ausgrenzung – We Who Do Not Belong spricht das direkt an. Und trotzdem handelt das Stück nicht nur vom Schmerz. Es handelt von Beharrlichkeit, von Vorstellungskraft und vom radikalen Akt, auf der eigenen Präsenz zu bestehen. Das Publikum wandert dabei durch eine emotionale Landschaft zwischen Bruch und Widerstandsfähigkeit. Lösungen bietet die Performance keine, wohl aber einen Raum des empathischen Zeugnisses. Also, schon mal vormerken:

Szeniale-Opening
📅 25.09.2026, ab 18:30 Uhr,
📍 Heilig Kreuz-Kirche, Bochumer Str. 115/Frankeplatz, 45886 Gelsenkirchen

Szeniale Ankündigung am 25. und 26. September 2026

Leitmotiv als Weckruf

Die Frage „Worauf wollen wir noch warten?“ ist mehr als nur ein Leitmotiv. Sie ist ein Weckruf – in einer Zeit, in der das Warten fast zum gesellschaftlichen Programm geworden ist. Wir warten auf bessere Zeiten, auf politische Lösungen, auf gesellschaftlichen Zusammenhalt, während sich die Welt um uns herum längst in rasantem Tempo verändert.

Kunst hat noch nie gewartet. Sie hat gehandelt, Fragen gestellt, provoziert, Brücken gebaut. Deshalb steht diese Frage jetzt im Zentrum des Festivals.

In einer Welt, in der digitale Netzwerke uns oft eher voneinander isolieren, braucht es neue (oder vielleicht alte) Formen des Miteinanders. Begegnungsräume, in denen wir nicht als Profile, sondern als Menschen mit Gesichtern, Stimmen und Körpern zusammenkommen. Genau solche Räume will die Szeniale 26 schaffen.

Das Leitmotiv ist eine Aufforderung zum Handeln, zum Gestalten, zum Verändern. Kunst und Kultur sind das tägliche Brot des Zusammenlebens, kein Sahnehäubchen obendrauf. Die Szeniale will mit Künstler:innen, Nachbarschaften und Besucher:innen gemeinsam ein Festival sein, das diese Überzeugung lebt und erlebbar macht. Ein Festival, das zeigt, dass Kunst und Kultur unverzichtbare Bausteine einer gelingenden Demokratie sind. Die Zeit zu handeln ist jetzt.

Das Programm: Vom Randalysium bis in die Tränenbar

Das Programm für die vierte Ausgabe steht bereits fest – viele der Inhalte befinden sich gerade noch in den unterschiedlichen künstlerischen Entwicklungsphasen. „Vom Randalysium bis in die Tränenbar“ verspricht mit 52 Aufführungen an 20 Spielorten eine Vielfalt neuer Entdeckungen und Erlebnisse.

Kunstinstallation
Randalysium-Klanglabor | (c) Albrecht Fersch

In diesem Jahr soll es möglichst wenige Programm-Überschneidungen geben, damit ihr so viel Szeniale wie möglich erlebt. Auch räumlich kommt das Festival ohne Sattelitenorte aus und konzentriert sich an und um die Bochumer Straße herum. Na ok, eine Ausnahme wird es geben – aber die verrate ich euch erst im nächsten Artikel zum Programm 😉

Bewährtes und Neues: Magazin und Routenflyer

Zum Festival soll es, wie in 2019, wieder ein gedrucktes Szeniale-Magazin geben, mit Infos zu den Aufführungen und den Künstler:innen dahinter. Neu sind die sechs Szeniale-Routen, mit deren Hilfe ihr euch durch das Festival-Programm navigieren könnt. Sogar eine Route für Familien und Kinder ist mit dabei. Das Magazin wird ab Mitte August verteilt. Das Hauptfestival startet am Samstag, den 26.09.2026 ab 11 Uhr.

Partizipatives Projekt

Eins der Projekte der Szeniale wird mit einer achtwöchigen Vorbereitungsphase bereits am 2. August beginnen. Im Domizil des Bund Gelsenkirchener Künstler laden 12 Künstler:innen dazu ein, an der wachsenden Installation „Jetzt! Raum zum Wachsen“ mitzugestalten. Dazu habe ich Gordana Djukic, die erste Vorsitzende des Vereins interviewt. Der Bericht folgt in Kürze!

Das komplette Programm wird übrigens auch online auf der Szeniale-Website zu finden sein.

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