Hausfassade
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Wechsel an der Weberstraße: Eine rosi, bleibt eine rosi

In der rosi in der Weberstraße 18 hat der Besitzer gewechselt. Der Inhaber des Center-Kiosk nebenan – genannt Dillo – übernimmt. Der Betrieb läuft nahtlos weiter und alles bleibt so, wie es ist. Der Name, der Charme und Stefan Paetz – genannt Paetzy – als Inventar, das von Besitzer zu Besitzer mitwandert. Was sich ändert, lest ihr am Ende 😉

Geschichten aus der Geschichte

Dass die rosi überhaupt noch da ist und jetzt ohne Not übergeben werden konnte, ist Benedikt und Nadine zu verdanken. Die beiden hatten 2021 den Laden übernommen – mitten in der Corona-Krise und ohne nennenswerte Erfahrungen in der Gastronomie. Als Running Gag hat sich die Geschichte verfestigt, dass ihr Sohn Benno unbedingt die Discokugel haben wollte, so dass dem Papa gar nichts anderes übrig blieb, als den Laden zu kaufen. So einfach war es natürlich nicht.

Paetzy, als Barkeeper der rosi und Freund der Familie, hatte den beiden erzählt, dass der Laden verkauft werden sollte. Unter welchen Umständen es weitergehen sollte, war zu diesem Zeitpunkt ungewiss. „Und dann haben wir halt gedacht, nee, das darf nicht sein“, erzählt Nadine. Mit Paetzy als Fachmann im Rücken trauten sie sich – „ohne den hätten wir das auch nicht gemacht“, sagt Benedikt.

Paetzy, Benedikt und die Discokugel

Fünf Jahre zwischen zwei Hauptjobs

Am Anfang, erinnern sie sich, war längst nicht jeder überzeugt: „Warum ausgerechnet die beiden? Die haben doch gar keine Ahnung.“ Corona-Trotz war dabei, ein bisschen Wahnsinn auch. Gelsenkirchen wird immer schlecht geredet, fanden die beiden, und gerade deshalb wollten sie durchhalten – jetzt erst recht!

Mit ihren Hauptjobs, ihrer Familie und Nadines hinzugekommener Ausbildung obendrauf erreichten sie jetzt eine Grenze. „Da mussten wir halt einfach sagen, wir können nichts weiterentwickeln“, sagt Benedikt. Und irgendwann ist es dann Zeit, das Zepter weiterzugeben.

Die exponierte Lage

Ob drinnen an der Theke oder draußen vor dem Laden: in der Weberstraße pulsiert das Gelsenkirchener Leben. Die Nähe zu den Altstadt-Hotels, Innenstadt und Bahnhof hat der Kneipe über die Jahre einen eigenen Ruf verschafft, bis nach Stuttgart und Schleswig-Holstein. Auswärtsfans zu Schalke-Spielen kannte man irgendwann mit Namen, zweimal im Jahr, immer zur gleichen Zeit an der gleichen Theke.

Wie sehr diese Lage etwas ausmachen kann, hat sich gezeigt, als die Rolling Stones in der Stadt spielten. Paetzy kam an dem Tag in den Laden gestürmt: Wir müssen heute früh aufmachen! Eigentlich war der Abend für den Auftritt von Rockpoet Marock Bierlej geplant gewesen – auf 80.000 Stones-Fans vorher war niemand vorbereitet. „Das war das einzige Mal, dass wir wirklich drohten leer zu laufen“, erzählt Benedikt. Stefan legte laute Stones-Klassiker auf, die Leute standen Schlange, und zwischendurch musste noch schnell Nachschub geholt werden.

Briten, Schotten und Roland Kaiser

Zur EM 2024 waren es die Engländer, die die rosi in Beschlag nahmen. Ganz brav in Zweierreihen standen sie vor der Theke und boten sogar Hilfe beim Kistenschleppen an. Froh, dass sie mit Karte zahlen konnten, feierten sie friedlich bis in die Morgenstunden.

An einem anderen Tag fand eine Gruppe Schotten ihren Weg in die Seitenstraße. Begeistert von dem Signature-Drink Rhabarbara Streisand und dem Angebot an Whisky versorgte Paetzy die Gäste mit seiner etwas eigenwilligen Musikauswahl: „Vielleicht bin ich nicht ganz unschuldig, wenn in Schottland Roland Kaiser einen Hype erlebt“ schmunzelt er.

Auch ruhigere Formate beherbergte die rosi: Den Anfang machte Texterin und Fotografin Sarah Bauer mit einer Lesung aus ihrem Buch „Angst ist keine Ausrede“. An den Wänden stellte sie Motive von ihren Reisen aus und erzählte mit viel Enthusiasmus von Entscheidungen, die ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt hatten. Weitere Ausstellungsformate und Lesungen folgten – immer sorgfältig ausgesucht und sehr persönlich.

Der Support, der einen Laden trägt

Kein Laden ohne Fans und Stammgäste: Wie viel Rückhalt so eine Kneipe eigentlich braucht, wird erst klar, wenn man hört, wer über die Jahre supportet hat. Als Benedikt und Nadine Radeberger und Guinness auf gut Glück anschrieben, ob sie den Thekenumbau unterstützen würden, kam die Antwort schneller als gedacht: „Jo, alles klar, wir machen das, wir statten euch aus.“ Das Guinness am Fass wurde zum Alleinstellungsmerkmal im Gelsenkirchener Süden.

Dennis aka Dennisúr Georgeson brachte beim Online-Format „Stay at home and dance“ während Corona zusammen mit Paetzy nicht nur den Rechner zum Absturz, sondern auch regelmäßig die Gäste unter der Discokugel zum Tanzen – ob beim Afterwork Techno, Geburtstagen, Halloween, von Heavy Metal bis Electronica – er war und ist immer am Start! Die Punkband „Die grobe Liederwurst“ hat regelmäßig Auftritte gespielt, einfach als Support für den Laden – und die Band hat der rosi sogar ihre Anlage überlassen, wenn andere Konzerte eine PA brauchten. Relate machten die rosi voll – Cat O‘ Nine, M Walking on the Water und Dirk Darmstaedter – um nur einige Namen zu nennen – sie alle gastierten in der Weberstraße. Beim Kneipenquiz stand plötzlich eine ganze Truppe aus Marburg mit am Start, achtzehn Leute, die eigentlich nur zufällig hereingeschneit waren und am Ende überraschend den dritten Platz belegten. Genau solche Abende, sagen Benedikt und Nadine, bleiben hängen.

Was bleibt

„Man muss halt einfach sagen, danke, dass wir fünf gute Jahre mit der rosi haben durften“, sagt Benedikt, nachdem die Schlüssel übergeben sind. Ohne das Publikum, so bunt und unterschiedlich, wie es war, wäre das alles nicht möglich gewesen. Cem und Erwin, die vor den beiden die rosi führten, kommen immer noch als Gäste vorbei – ein Zeichen dafür, wie dieser Laden Menschen hält, über Jahre und Besitzerwechsel hinweg. In diese Riege reihen sich die beiden jetzt ein.

Und jetzt?

Die rosi öffnet, wie gehabt, von Donnerstag bis Samstag ab 18 Uhr. Ab sofort verstärken drei neue Gesichter das Thekenpersonal. Formate, wie Home Coming, Tanz in den Mai und St. Patricks‘ Day bleiben Pflichttermine im Gelsenkirchener Event-Kalender. Nach dem Ende der Sommerferien soll es als offiziellen Auftakt noch eine Party geben und es ist angedacht, die Öffnungszeiten zu erweitern – wie und wann genau, lest ihr dann demnächst hier 😉

Wenn ihr noch ein paar schöne Erinnerungen aus den letzten fünf Jahren rosi habt, schickt sie mir gerne an hallo@gelsenmylove.de.

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