Manifesta 16 Ruhr: Programm, Projekte und Bedeutung für das Ruhrgebiet

Von Ausstellungen bis Mitmachformaten

Heute, am 25. März 2026, hat die Manifesta 16 Ruhr in der St. Josef Kirche in Gelsenkirchen ihr vollständiges Konzept mit allen Teilnehmenden vorgestellt. Was kommt unter dem Motto „This is not a church“ im Sommer also auf uns zu?

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Biennale läuft vom 21. Juni bis 4. Oktober 2026 in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen. Heute wurde ebenso verkündet, dass der Eintritt an allen Orten kostenlos sein wird! Über 100 Künstler*innen und Kollektive aus 33 Ländern bespielen zwölf ehemalige oder leerstehende Kirchengebäude. Mehr als 50 Werke wurden neu in Auftrag gegeben.

Danke an Sebastian Schlecht für die Bilder von der Pressekonferenz 🙂

Leerstehende Kirchen als neue Gemeinschaftsräume

Der konzeptionelle Kern der Biennale ist so konkret wie politisch: Im Ruhrgebiet schließt jede Woche eine Kirche. Über 20.000 Kirchengebäude bundesweit stehen in den nächsten zehn Jahren vor der Entwidmung. Statt sie dem Verfall oder profitorientierten Investor*innen zu überlassen, fragt die Manifesta: Was kann aus diesen Orten werden?

Der Titel – This is not a church – bringt das auf den Punkt. Die Gebäude werden nicht als Sakralräume bespielt, sondern als potenzielle Orte des Zusammenlebens: mit Sportangeboten, Lesesälen, Teegärten, Trauergruppen, Modenschauen, Webkursen und einer Hüpfburg in Kirchenglockenform. Kein einheitliches Konzept, sondern dutzende Experimente, manche pragmatisch, manche bewusst pietätlos.

Inhaltlich bewegt sich die Biennale zwischen Migrationsgeschichte, Bergbauritualen, postindustriellem Wandel und der Rolle der sogenannten Gastarbeiter*innen beim Wiederaufbau. Themen, die das Ruhrgebiet bis heute prägen. Ein besonderer Fokus liegt auf Teilnehmende aus Deutschland (25%), der Türkei (21%) und Polen (9%).

Vier Spielorte in Gelsenkirchen

Gelsenkirchen spielt eine gewichtige Rolle: Gleich vier der zwölf Spielorte liegen in unserer Stadt. Der vierte Spielort, St. Josef, ist gleichzeitig das Biennale-Büro und war heute Schauplatz der Pressekonferenz.

St. Anna, St. Bonifatius und die Thomaskirche werden vom Kurator Gürsoy Doğtaş bespielt. Doğtaş ist Kunsthistoriker mit Forschungsschwerpunkten zu Arbeitsmigration und intersektionalen Queer Studies – ein Profil, das gut zur Geschichte einer Stadt passt. Mit 45 Teilnehmer*innen verantwortet er das mit Abstand größte Einzelprogramm der Biennale.

In St. Josef arbeitet der Architekt und Stadtplaner Josep Bohigas aus Barcelona, der auch die übergreifende Urban Vision der Biennale entwickelt hat, gemeinsam mit einem kleinen Team von vier Teilnehmenden, darunter das Kollektiv Penique Productions und das Designerduo Barber-Palacios. Vielleicht habt ihr hier ja bereits die Warm-Up-Programme mit den Social BallerZ und dem Kreativmarkt mitbekommen?

Programmpunkte

Das Programm unter Gürsoy Doğtaş ist breit gefächert und spiegelt die thematischen Schwerpunkte rund um Migration, Identität und Gemeinschaft wider. Einige bekannte Namen aus dem internationalen Kunstbetrieb sind dabei: Nil Yalter (Pionierin feministisch-migrantischer Videokunst), Judith Hopf, die Designerin Ayzit Bostan, die Filmkünstlerin Cana Bilir-Meier sowie das Kollektiv Bureau Baubotanik, bekannt für seine botanisch-architektonischen Installationen. Viele Teilnehmende haben türkische, griechische oder postjugoslawische Wurzeln – eine bewusste Entscheidung angesichts der Geschichte des Ruhrgebiets als Zielort der Gastarbeiterbewegung.

In der Galerie erhaltet ihr einen Eindruck von den bisherigen Arbeiten der Künstler*innen.

Die vollständige Liste aller 106 Teilnehmenden sowie die Möglichkeit nach den Hauptstandorten zu filtern, findet ihr auf manifesta16.org/de/participants.

Das Bildungsprogramm

Das Vermittlungsprogramm setzt auf neun speziell ausgebildete Vermittler*innen, die keine klassischen Führungen anbieten, sondern Gespräche auf Augenhöhe moderieren. Dazu kommen:

  • Youth Shift – eine Initiative, die junge Menschen aus dem Ruhrgebiet als kritische Biennale-Beobachter*innen einbindet
  • Schule, Nachbarschaft und Wir – Schüler*innen entwickeln in Zusammenarbeit mit Künstler*innen eigene ortsspezifische Arbeiten
  • Ferien Nebenan – kostenlose Workshops für Familien und Schulen während der NRW-Sommerferien, u.a. in Kooperation mit den Kunstmuseen Bochum und Gelsenkirchen
  • Spotlights – partizipative Formate, z.B. Schreibwerkstätten, für Communities mit Diskriminierungserfahrungen

Manifesta 16 + Programm

Im Dezember 2025 wurden zudem die Gewinnerprojekte des Open Calls für regionale Künstler*innen und Initiativen bekannt gegeben. Eine internationale Jury wählte 16 Projekte aus, die in mehreren Ruhrgebietsstädten umgesetzt werden. Im Fokus stehen lokal verankerte Initiativen, die gemeinsam mit Communities leerstehende Kirchen in offene Treffpunkte verwandeln – Orte für Begegnung, Austausch und neues gemeinsames Lernen.

Die Gewinner:innen des Open Call für Manifesta 16 +
Die Gewinner*innen des Open Call für Manifesta 16 +
bei der Verkündung im Dezember 2025 in Essen | Bild: Kirsten Lipka

Warum das für Gelsenkirchen relevant ist

Mit vier Spielorten, dem Biennale-Büro an der Virchowstraße und der heutigen Pressekonferenz in St. Josef übernimmt Gelsenkirchen eine zentrale Rolle innerhalb der Manifesta 16 Ruhr. Die Themen, die die Biennale aufgreift, sind hier keine abstrakten Kulturfragen, sondern eng mit aktuellen stadtpolitischen Entwicklungen verbunden und knüpfen an das Engagement zahlreicher Initiativen und Bürger*innen der vergangenen Jahre an.

Die offizielle Eröffnung findet am 20. Juni auf der Zeche Zollverein statt. Alle Infos unter manifesta16.org.