Markus Kiefer als Villon und das Kammerensemble Herzblut
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Mit Galgenhumor und Streichertrio: Markus Kiefer spielt Villon in der KAUE

Am Samstag, 17. Oktober, um 20 Uhr holt Markus Kiefer François Villon in die KAUE: den Dichter, Dieb und Mörder aus dem Paris des 15. Jahrhunderts. Kaum ein Stück kennt Markus so gut wie dieses, rund 500 Mal hat er es gespielt. Trotzdem wird der Abend eine Premiere. Zum ersten Mal begleitet ihn das Kammerensemble Herzblut auf der Bühne.

Markus Kiefer als Villon mit Galgenstrick um den Hals und das Kammerensemble Herzblut
Copyright Petra Dreiling – 3ling.Art

Renaissance trifft Zechenkaue

Durch den Abend ziehen sich Renaissance-Musik und Kompositionen von Franz-Jürgen Dörsam. Diese Fassung mit dem Ensemble ist die aufwendigste und teuerste, „das kann sich nicht jeder Veranstalter leisten“, sagt Markus. Zwei Balladen singt er selbst, ganz im Sinne Villons, der Laute spielte. Für die Premiere kehrt der Schauspieler an einen vertrauten Ort zurück: 1994 holte er für sein Villon-Festival Kollegen wie Ernst Stankowski in die KAUE.

Eine Schallplatte, ein Leben lang

Angefangen hat alles mit der Plattensammlung seines Vaters. Markus war 16, als er dort Klaus Kinski entdeckte, der Villon rezitierte. „Ich war begeistert“, erzählt er. Er besorgte sich die Übertragung von Paul Zech, und der französische Dichter hat ihn seitdem nicht mehr losgelassen. Mit 20 stand er zum ersten Mal selbst als Villon auf der Bühne.

Warum ausgerechnet dieser Dichter? Als junger Kerl hatte Markus Lust, dieses wilde Leben zu spielen. Zech hat Villon frei übertragen und manches dazuerfunden. „Aber der hat die Zeit getroffen. Das Leben getroffen.“

Über die Tische, mitten ins Bier

Wer Markus früher als Villon erlebt hat, behielt sein Glas besser im Blick. „Ich war ein Lebemensch. Es machte Spaß, über die Tische zu gehen und den Leuten das Bier wegzutrinken.“ Die Zuschauer fragten sich, ob der das jetzt ernst meint. Er meinte es ernst.

Ruhig blieb es auch im Publikum nicht immer. In Darmstadt kam ein Zuschauer mit einem Messer auf ihn zu. „Das werde ich nie vergessen.“

Ruhiger, näher am Text

Inzwischen ist Markus 61, und sein Villon ist leiser geworden. „Man geht mehr auf den Text. Macht auch sehr viel Spaß.“ Nach all den Jahren entdeckt er in den Versen immer noch Neues.

Derb sind die Texte geblieben. Gleich zu Beginn hängt Villon am Galgen und spottet: „Ich bin Franzose, was mir gar nicht passt.“ Was folgt, ist eine Pointe darüber, wie schwer das eigene Hinterteil am Hals zieht. Galgenhumor im Wortsinn.

Der Dichter aus der Gosse

Villon wurde 1431 geboren, in eine Zeit voller Krieg, Armut, Mord und Totschlag. „Du musstest schon ein guter Typ sein, um älter zu werden“, sagt Markus. Villon war gebildet, hatte Latein und Griechisch gelernt und an der Sorbonne studiert.

Auf das Leben als Gelehrter hatte er aber keine Lust. „Der wollte lieber in die Gossen, in die Tavernen, wo das Leben war.“ Er legte sich mit Obrigkeit und Klerus an und wurde mehrfach aus Paris verbannt. Beim Volk war er beliebt, weil er den Mund aufmachte.

Das Stück folgt den Schlüsselszenen dieses Lebens bis zum Ende, an dem Villon sein Testament schreibt und darin alle Neider noch einmal bedenkt. In jeder Szene steckt pralles Leben, und der Tod ist immer nah. „In so einer Zeit leben wir gerade auch“, meint Markus.

Die Mäuseballade

Seine Lieblingsszene spielt in einem Loch. Gefangene wurden damals in Gruben gesteckt, acht bis zehn Meter tief, und dort vergessen oder irgendwann wieder herausgeholt. In so einer Zelle bekommt eine Maus ihre Jungen, und der Mörder und Dieb Villon hält die nackten, rosa Winzlinge in seiner Hand.

Diese Ballade gehörte anfangs gar nicht zum Programm. Bei einem Auftritt in Troisdorf sprach ihn ein Zuschauer darauf an, dass sie fehlt. Seitdem ist sie fester Teil des Abends. Ich bekomme sie sogar live zu hören: Markus rezitiert sie mitten im Interview aus dem Stegreif.

Ein Zufall im Café

Die Zusammenarbeit mit dem Kammerensemble ist durch einen Zufall entstanden. Den Instrumentalisten Gerardo Gramajo lernte Markus im Café GE-Piazza kennen. Es stellte sich heraus, dass Gerardo selbst Villon-Fan ist und im Orchester in Lissabon den Komponisten Hans-Jürgen Dörsam kennengelernt hatte, der Villon ebenfalls schätzt. Schnell entschied man sich etwas zusammen zu machen.

Die beiden anderen Musikerinnen, Shams Aghazada und Kathrin Fischer-Komatina, kommen von der Musikschule Gelsenkirchen und machen das Ensemble komplett. „Absolute Profis, wunderbar“, versichert mir Markus.

Markus Kiefer als Villon am Galgenstrick, Gerardo Gramajo mit Viola
Zwei Villon-Fans: Markus Kiefer und Gerado Gramajo | Copyright Petra Dreiling – 3ling.Art

Für wen ist das?

Eine Massenveranstaltung ist Villon nicht. Markus rechnet eher mit Publikum in seinem Alter oder älter, würde sich aber über junge Leute freuen. In der DDR war Villon sogar Schulstoff, hier kennen ihn viele nur über eine Zeile, die Kinski berühmt gemacht hat: „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.“ Wer nur die kennt, hat am 17. Oktober zwei Stunden Zeit, den ganzen Villon kennenzulernen.


François Villon – Mörder, Dieb, Poet
Samstag, 17. Oktober 2026, 20 Uhr
KAUE, Wilhelminenstr. 174, 45881 Gelsenkirchen
Mit Markus Kiefer und dem Kammerensemble Herzblut (Gerardo Gramajo – Viola, Shams Aghazada – Violine, Kathrin Fischer-Komatina – Cello)
Dauer: rund zwei Stunden
Eintritt 20 €, erm. 15 €, Vorverkauf unter 0209/26367 (Gabi Finke-Voss) und an der Abendkasse

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