Kammerensemble Herzblut und Markus Kiefer bei der Villon-Premiere auf der Bühne in der Kaue
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Standing Ovations: Villon-Premiere in der KAUE

Aus der Dunkelheit am Bühnenrand humpelt eine Gestalt nach vorn, die Kleider zerfetzt, der Körper gebeugt. Markus Kiefer ist in diesem Moment schon ganz François Villon: Dichter, Dieb und Mörder aus dem Paris des 15. Jahrhunderts. Rund 500 Mal hat er dieses Stück inzwischen gespielt, und trotzdem war der 17. Oktober eine Premiere.

500 Mal gespielt, trotzdem eine Premiere

Zum ersten Mal begleitete ihn das Kammerensemble Herzblut: Gerardo Gramajo an der Viola, Shams Aghazada an der Violine und Kathrin Fischer-Komatina am Cello. Entstanden ist die Zusammenarbeit in einem Café in der Innenstadt, wo die zwei Villon-Fans Markus und Gerardo durch Zufall über ihren Lieblingspoeten ins Gespräch kamen. Und wie es solche Zufälle an sich haben, ist daraus ein sehens- und hörenswertes Ergebnis entstanden.

Für Markus ist Villon eine Lebensgeschichte. Mit 16 entdeckte er in der Plattensammlung seines Vaters Klaus Kinski, der die Verse in der Übertragung von Paul Zech rezitierte. Mit 20 stand er selbst als Villon auf der Bühne, heute ist er 61. Und auch die KAUE kennt er in dieser Rolle: 1994 holte er für sein Villon-Festival Kollegen wie Ernst Stankowski hierher.

Schauspiel vor blutrotem Vorhang

Die Kulisse blieb bewusst reduziert. Ein blutroter Bühnenvorhang, links das Streichertrio und rechts ein kleiner Holztisch mit Schreibutensilien, Kerze und Weinflasche. Das Ensemble setzte immer wieder seine musikalischen Akzente – oft dramatisch und treibend, dann wieder ruhiger.

Humpelnd, gebeugt und in zerschlissener Kleidung betrat Markus die Bühne. Entschlossen legte er sich den Galgenstrick um den Hals, feixte und spottete dabei. Aus der Schlinge entkommen, sah man ihn sinnierend am Tisch sitzend, dann saufend und auf dem Boden krauchend. Teils war er ganz hell erleuchtet, mal verschwand er fast im Dunkel. Er grinste, grimassierte, verzog das Gesicht vor Schmerz und zeigte, wie zerrissen dieser Villon ist. Er spielte so ziemlich alle Facetten eines Lebens durch, in dem der Tod immer nah war. Und schließlich auch kam.

Wie Markus die Figur des Villon verkörpert, ist faszinierend – er hat sich die Rolle einverleibt und spielt ihn mit einer Intensität und Mimik, die den ganzen Raum einnimmt.

Ehrlich gesagt: Das ursprünglich geplante Schloss Horst als Veranstaltungsort hätte zu diesem Abend vielleicht noch besser gepasst, zur Zeit und zur Stimmung. Die KAUE punktete aber durch die absolute Fokussierung auf die Bühne – ohne viel drumherum. Der 90er Charme des Orts gepaart mit den vielen Gesichtern aus der Gelsenkirchener Szene beschwor sicherlich auch bei dem einen oder der anderen nostalgische Gefühle herauf 😉

Volle Reihen, gebannte Gesichter

Viele Plätze blieben nicht frei. Im Publikum saßen viele, die Markus’ Villon wohl schon mehrfach erlebt haben und sich diesen Abend gerade deshalb nicht entgehen lassen wollten. Was mir besonders auffiel: Kaum jemand hatte das Handy in der Hand, fast niemand fotografierte oder filmte. Alle saßen gebannt da und haben den Abend, glaube ich, genauso genossen wie ich. In der Pause kam man schnell miteinander ins Gespräch, und danach waren die zwei Stunden Bühnenprogramm ratzfatz um.

Am Ende erhob sich das Publikum und spendete Standing Ovations mit lang anhaltendem Applaus. Zurecht! Eine gelungene Premiere! Der nächste Stopp ist Mannheim.

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